eder von uns kennt es und hat es schon mal gemacht: Eine Diät! Damit fängt es meistens in aller Regel an.

Wenn man während einer Diät irgendwann sein Wunschgewicht erreicht hat, kehrt man in aller Regel zu seinem normalen Eßverhalten zurück. Nicht aber die später Magersüchtigen. Sie hungern eisern weiter, obwohl sie ihr Wunschgewicht schon weit unterschritten haben. Ein neues, noch niedrigeres Gewicht wird definiert - erreicht und erneut nach unten verschoben.

Für viele heißt die Devise jetzt: Gewichtsabnahme ohne Ende! Auch wenn bereits das Untergewicht bedrohliche Ausmaße angenommen hat, wird immer noch weiter gehungert. Der Blick der Betroffenen ist verstellt. Sie können sich nicht so wahrnehmen, wie sie von ihrer Umwelt wahrgenommen werden. Nicht der gesamte Körper steht im Blickfeld, sondern einzelne Körperteile wie z.b. Oberschenkel, Bauch oder Hüften. Die Waage wird zur wichtigsten Kontrollinstanz, denn sie sagt, ob die aufgebrachte Leistung zur Gewichtsabnahme erbracht wurde oder nicht.

Die Methoden zur Gewichtsabnahme werden immer rigider. Nahrungsmittel werden in "erlaubte" und "unerlaubte"eingeteilt!

Erlaubte Nahrungsmittel sind selbstverständlich nur kalorienarme, wie z.b. Knäckebrot, Salat, Gurken etc. Das Denken handelt ausschließlich um das Essen, wie z.b. "Welche Leistung muß vorher erbracht werden?"- "Wann darf welche Nahrung zugeführt werden?"

Die Betroffenen sind "süchtig" danach, immer weiter abzunehmen, fern von aller Vernunft, Gesundheit und Ästhetik.

Nicht alle erreichen ein bedrohliches Untergewicht. Das Körpergewicht kann von 15%-55% unter dem Idealgewicht sinken! Einige pendeln sich auf ein bestimmtes Gewicht ein und sind bemüht dieses auch zu halten. Allen gemeinsam aber ist die Angst, wieder zuzunehmen. Diese Angst kann panikartig sein!

Einige der Betroffenen führen zur Begleitung der Kalorienreduktion ein kalorienverbrauchendes Körpertraining durch.

Mehrere Stunden pro Tag wird damit verbracht Aktivitäten wie z.b. schwimmen, Radfahren, Jogging zu verbringen. Deutlich wird auch hier wieder die Zwanghaftigkeit in Bezug auf "Dauer", "Ablauf", und "Härte" des Trainings. Wichtig ist es für die Betroffenen, daß die Vortagleistung zumindest erreicht wird, wenn irgendwie möglich aber überschritten wird. Es ist irreführend wenn man, den Betroffenen glaubt, daß sie appetitlos sind. Sie leiden Hunger, aber sie leugnen dies hartnäckig ihrer Umwelt gegenüber. Viele Magersüchtige versuchen ihre Hungergefühle durch Kaugummi kauen und durch die Zufuhr von kalorienloser Flüssigkeiten zu vertreiben. Andere versuchen ihren Hunger durch einen verstärkten Umgang mit Nahrung zu bewältigen. Sie werden nicht müde, Angehörige zu verführen, immer noch mehr zu essen, während sie selbst hungern.

Für 60% der Magersüchtigen kommt eines Tages der Punkt, an dem sie ihre Kontrolle verlieren und somit das harte Hungerregime durchbrechen. Sie essen dann mehr als sie sich erlauben. Häufig ist dies der Anfang von Heißhungerattacken - die Magersucht hat sich zur Bulimie ausgeweitet.

Merklicher Gewichtsverlust (BMI von 17,5<)
ständiges Frieren
ungewöhnlich hohes, verbissenes Sportprogramm
Entwickeln von umständlichen Eß-Ritualen

Der Körper stellt sich auf die chronische Unterernährung ein:

Amenorrhoe
Das Ausbleiben der Menstruation.
Herz und Kreislaufstörungen
Im Verlauf der Unterernährung kommt es zum absinken des Blutdrucks. Wodurch das Herz auch langsamer schlägt. Schwindel und ein flaues Gefühl können die Folge sein. Durch eine gestörte Herzfunktion kann ein plötzlicher Herztod die Folge sein.
Magen- und Darmbeschwerden
Durch eine stark reduzierte Nahrungsaufnahme und einseitige Zusammensetzung der Nahrung sind Darmträgheit und Verstopfung häufig die Folge. Das ist auch oft der Grund, warum betroffene zu Abführmitteln greifen. Dieser regelmäßige Gebrauch führt zu massiven Störungen im Stoffwechsel, weil es werden lebenswichtige Mineralien und Elektrolyte aus dem Körper ausgeschieden. Darüber hinaus kommt der gewünschte Effekt (kein Gramm überflüßiges Fett anzusetzen) nicht zu Stande.
Frieren
Mit zunehmenden Gewichtsverlust leiden die Betroffenen unter frieren. Das passiert deswegen, weil "Frieren und Untertemperatur" eine Energiesparmaßnahme des Organismus ist.
Haut und Haare
Die Haut wird bei vielen schuppig und trocken. Haare und Nägel werden brüchig, was vielen unter ihnen ein Greisenhaftes aussehen verleiht.
Ödeme
Es gibt einige Betroffene die haben Wassereinlagerungen. Das kann sowohl von der Störung des Kreislaufes kommen, als auch von einem Mangel an Eiweiß. Wichtig dabei ist, daß man sich dabei klar macht, daß in das Gewebe eingelagerte Wasser, sich auf der Waage bemerkbar macht. Dies hat nichts mit einer realen Gewichtszunahme zu tun.
Konzentrationsstörungen

Die geistige Leistungsfähigkeit liegt bei Magersüchtigen in der Regel deutlich über dem Durchschnitt. Das liegt aber nicht daran, daß sie durchweg über durchschnittlich intelligent sind, sondern das sie die ihnen gestellten Anforderungen mit großem Eifer und einem zwanghaften Fleiß erfüllen. Das Konzentrationsvermögen läßt nach, aber wie beim Muskeltraining, setzen die Betroffenen auch bei geistiger Tätigkeit alles dran, um nicht nach- zulassen und das Level durch vermehrte Anstrengung zu halten.

Mögliche Funktionen für die Magersucht

Als Schönheitsideal
Als Leistungsbeweis
Kontrollbeweis
Alibi für fehlende Leistung
Alibi für Unglücklichsein
Macht und Stärke
Möglichkeit sich von der Familie abzugrenzen
Flucht vor der realen Welt
Ausdruck von Leiden
Möglichkeit sich zu zerstören
Etwas Vertrautem
Suche nach Zuwendung und Liebe
Schutz vorm Erwachsen werden
Schutz vor Weiblichkeit
Schutz vor Sexualität
Ein Weg die innere Leere auszufüllen
Unabhängigkeitsbeweis

Fakt ist, daß die Magersucht nichts mehr mit dem anfänglichen Zielen zu tun hat. Für die Bewältigung der Magersucht ist diese Erkenntnis eine entscheidende Vorraussetzung. Das gilt für die Betroffenen, aber auch für die Angehörigen.

Weiteres extremes Hungern führt zu Kräfteverfall und schließlich lebensbedrohlichem Untergewicht