Wie gehe ich damit um, wenn jemand
in meiner Umgebung an einer Eßstörung leidet?

Etwas selber gegen die Eßstörung zu unternehmen ist sehr begrenzt, so frustrierend sich das anhören mag. Die Betroffene muß das "selber" übernehmen. Am besten mit professioneller Hilfe. Das einzigste was man da selber machen kann ist "positive Unterstützung" leisten. Das bedeutet, daß die Betroffene nicht unter Druck gesetzt werden sollte. Zeige ihr, daß sie Dir vertrauen kann und jeder Zeit mit Dir sprechen kann. An einer Eßstörung zu leiden, ist wie an einer Sucht zu leiden. Deshalb so hart wie es klingen mag, manchmal ist ein gewisser "Leidensdruck" notwenig, damit die Betroffene die Erkenntnis bekommt, etwas ändern zu müssen. Die Entscheidung wirklich konsequent gegen die Eßstörung vorzugehen, muß von "ihr" selber kommen!

Versichere ihr nicht immer wieder, daß sie "nicht zu fett" ist. Erstens bringt es ihr nichts, und zweitens soll sie so wieder die Fähigkeit entwickeln, daß selber zu beurteilen.
Laß die Betroffene die Konsequenzen ihrer Bulimie zum Beispiel selber tragen. Das heißt zum Beispiel, daß sie selber die fehlenden Vorräte ersetzt, das Klo nach dem Erbrechen säubert und anderen Leuten selber erklärt, warum sie an einem gemeinsamen Essen nicht teilnimmt.
Stelle Deine eigene Eßgewohnheit nicht um. Halte Dich an feste Mahlzeiten, aber stelle es der Betroffenen frei, ob sie daran teilnimmt oder nicht.
Achte die Privatsphäre. Es ist wichtig, daß jeder Mensch seine Geheimnisse hat. Also kein Ausfragen oder sogar lesen in Tagebüchern!
Behandele die Betroffen nicht wie eine Behinderte, indem Du ihr alles abnimmst. Das gibt ihr nur das unnötige Gefühl ihr Leben nicht alleine meistern zu können.
Das wichtigste und vor allem schwierigste ist, "Nicht ungeduldig" sein. Richte Dich auf einen langen Heilungsprozeß ein!

Ausnahme:

Das trifft natürlich nicht so unbedingt auf die Magersucht zu. Es gibt leider nicht wenige, die stehen auf der letzten Treppe des Lebens und haben immer noch nicht erkannt, daß sie ein wirklich ernstzunehmendes Problem haben. Da ist das eingreifen von außen, natürlich sehr angebracht. Wie zum Beispiel, wenn die Abmagerung schon sehr extrem fortgeschritten ist. Da sollte man sich auch nicht scheuen, die Betroffen in eine Klinik einzuliefern. Aber bevor man sich zu diesem drastischen Schritt entschließt, sollte man vorher mit der Betroffenen darüber geredet haben, und es nicht heimlich hinter ihrem Rücken tun. Man sollte ihr die eigene Sichtweise darlegen, wie man das Ganze selber betrachtet und vor allem wie es einem selber dabei geht. Man sollte ihr klar machen, daß man nur einige Zeit zuschauen kann, aber letztlich doch die "Notbremse" ziehen muß, wenn sie es nicht selber schafft. Wenn es zu so einer Handlungsweise kommen sollte, wird sie das einem mit Sicherheit nicht am Anfang verzeihen. Aber so bald sie merkt, daß es ihr während einer solchen Zwangsernährung besser geht, wird sie es aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Es gibt Betroffene denen ist die Ankündigung einer solchen Verhaltensweise schon ein großes Greuel, so daß sie vorher schon einlenken können. Aber eben nicht bei allen.