Klinikaufenthalt von Nicolle in der Klinik in Bad Pyrmont
vom 16.05.2002 eMail an nicolle

Ich, Nicolle 25 Jahre-Bulimie, möchte euch was über meine stationäre Therapie in Bad Pyrmont schreiben.

Weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Vielleicht erst mal zum Grund, weshalb ich dort „gelandet bin“.

Vor ca.2 ½ Jahren ging das los mit der Bulimie, durch viele blöde Umstände und einschließlich einer starken Gewichtszunahme.Dann ½ Jahr später ging ich zu meinem Arzt. Er besorgte mir einen Psychologen. Dieser meinte ich könnt ja noch was abnehmen, obwohl ich schon fast 10 kg weg hatte.Er versprach mir eine Gruppentherapie, auf die ich noch heut warte. Dann hatte ich mich damit abgefunden und meinte ich schaffe es alleine. Zugegeben es wurde besser aber es ging nicht weg. Echt frustrierend!!!!!! Dann durch Zufall traf ich einen Arzt denn ich kannte(mit dem hatte ich schon zusammen gearbeitet) und er hatte mir geholfen. Bei Ihm fühlte ich mich verstanden. Und dann machte er den Vorschlag mit Bad Pyrmont. Ich bekam einen Schreck.6 Wochen von zu Hause weg. Eventuell ohne Telefon und Briefkontakt.Aber wenn ich das schaffen will,nur auf diesen Wege.

Gesagt, getan! Am 16.05 2002 war Anreisetag und voller Erwartung, was mich dort erwarten wird, machte ich mich auf den Weg.

Als ich auf dem Bahnhof ankam, wurde man von „hauseigenden Zivi“ abgeholt. War schon komisch in den Bus zu steigen, wo „Psychosomatische Fachklinik“ draufstand. Aber halb so schlimm, schließlich stiegen noch mehrere Leute ein mit selben oder auch anderen Problemen.

Dann ging es zur Fachklinik. Als ich dort ankam, viel mir erst mal die Cafeteria auf mit dem riesigen Angebot an Süßen Sachen auf. War ja echt makaber. An der Rezeption wurde man von seinen Co-Therapeuten empfangen. Der zeige einen erst mal sein Zimmer.(Doppelzimmer, nett eingerichtet mit Bad).

An den nächsten zwei Tagen war man stets und ständig mit Untersuchungen und Termin vergaben beschäftigt. Auch musst ich erst mal Auskunschaften was es noch so gab in Bad Pyrmont. Jeder neue Patient erhielt einen Patenpatienten. Der hat einem alles in der Klinik gezeigt und so gut es ging erklärt.

Mit meiner Patenpatientin hat ich Glück. Ich wurde auch sofort in der Gruppe aufgenommen, was mich sehr erfreute aber auch überraschte. Sonst bin ich immer die jenige gewesen, die sich ein „Bein ausgerissen hat“ um nicht allein dazustehen. Ich staunte nicht schlecht, als auch Schwimmbad, Sporthalle und Sauna gezeigt wurden. (Leider keinen Fitnessraum)Aber echt nicht schlecht!!! Am Wochenende konnte ich dann Bad Pyrmot und Umgebung Erkunschaften. Allein oder auch mit Wandergruppe. War super!!! Und abends war ich oft im Mc Loud, einer kleinen Musikkneipe mit echt netten Leuten.(leider nur bis kurz vor 23 Uhr, dann wurden die Türen in der Klinik geschlossen.)

Er wurde einem nie langweilig. Es gab 1-2 Wochenenden wo man auf „Probe“ nach Hause fahren durfte, um hinterher zu sehen wo liegen noch „Schwächen“ und wo gibt es „Stärken“ die man weiter ausbauen kann.

Für interessierte Familienangehörige oder Freunde gab es ein Angehörigentreffen.Dieses beinhaltete ein gemeinsames Kaffeetrinken und im Anschluß konnten sich die Angehörigen mit Therapeuten austauschen. Wir mussten leider draussen bleiben.

Ich hatte noch das Glück ein „Ehemaligentreffen“ mitzumachen.

Es war total interessant sich mal anzuhören wie es ist wenn man aus der Klinik entlassen ist und es nun mehr oder weniger allein schaffen muß. Ehrlich gesagt hat mich so einiges geschockt. In meiner „Ehemaligen Gruppe“ waren es leider nur wenige die es ernsthaft geschafft hatten. Aber bei den meisten wurden die Probleme aber geringer. Ich freu mich schon auf mein „Ehemaligen Treffen“.!!!!

Was soll ich euch sonst noch so erzählen. Das war das beste was mir passieren konnte Die Umgebung ,die Leute, die Therapeuten.

Ich viel gelernt und mit nach Hause mitgenommen. Seit 27.6.2002 bin ich wieder in meiner Heimat und keinen einzigen Freß oder Brechanfall. Ich wiege mich nicht mal mehr. Habe mich voll akzeptiert, so wie ich bin. Es gibt auch nicht so gute Tage und man muß sich zusammen reißen, aber bis jetzt ging es gut und so wird es auch bleiben. Obwohl der Prof. zu mir meinte, das das auch nicht so schlimm währe einen ausrutscher zu haben. Es zeigt nur das mit mir oder der Umwelt irgendetwas nicht stimmt. Dann muß man versuchen das Problem zu lösen, so das man sich wieder wohlfühlt in der eigenden Haut.

So ich hoffe ihr konntet euch ein kleines Bild davon machen.

Über Anregungen und Fragen würde ich mich sehr freuen. Oder wenn ihr nur mal reden/schreiben wollt.

Oft hilft es schon ein wenig. In Bad Pyrmont habe ich auch viel geschrieben und es hat oft geholfen.

Nun dann wünsch ich allen alles gut und das ihr es schafft eure Essstörung zu bewältigen!!!!!!!!

Bis denn,eure Nicolle!!!!


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