er Theorie nach Freud dem Vater der Psychoanalyse, führen ungelöste, verschüttete Konflikte zur Neurose. Magersucht zählt zu den Neurosen. Das Ziel der Psychoanalyse ist es zunächst, ungelöste Konflikte aus der Vergangenheit dem Bewußtsein zugänglich zu machen. Der Patient wird aufgefordert, Gedanken und Gefühle zu äußern, die ihm gerade in den Sinn kommen. Das aus freien Assoziationen, Träumen, Widerständen, und Fehlverhaltensweisen gewonnene Material wird gedeutet. Der Patient projiziert emotionale Einstellungen auf den Therapeuten; ebenso kann der Therapeut selbst Gefühlsregungen auf den Patienten übertragen. Aufgabe des Therapeuten dabei ist, bei seinem Patienten auf Knackpunkte und Bruchstellen zu achten; auf Wiederholungen alter Verhaltensweisen; auf Gedankenschleifen, die am gleichen Punkt enden, wo sie begonnen haben. Er versucht zu begreifen, wie der Patient denkt und fühlt. Die Erkenntnisse die er dabei gewinnt, behält er nicht für sich, um sie dem Patienten irgendwann mal als Ergebnis der Analyse zu präsentieren. Wann immer dem Therapeuten auffällt, daß der Patient an Dinge rührt, die ihm selbst nicht bewußt zu sein scheinen, teilt er ihm dies mit. Das ist eines der wesentlichen Instrumente der Analyse: die Deutungen des Therapeuten.

Seit Freud hat sich viel geändert in der psychoanalytischen Behandlungsmethode. Das spontane Bild, das einem dazu einfällt, der undurchdringlich blickende Analytiker, der sich hinter der Couch des Patienten Notizen macht, stimmt so längst nicht mehr. Es gibt zwar immer noch einige Vertreter dieser Therapierichtung, die am Verfahren der klassischen Analyse festhalten. Das heißt sie bestellen ihren Patienten 3-4 Mal pro Woche zu sich und lassen sie auf der Couch ihren freien Einfällen folgen. Doch die meisten modernen Psychoanalytiker vertreten ein Therapiekonzept, bei dem der Analytiker nicht mehr die geheimnisvolle Position des unsichtbaren Beichtvaters einnimmt, sondern dem Patienten gleichberechtigt gegenübersitzt.

Vorteile und Nachteile:

Besonders gut geeignet ist die Psychoanalyse für alle Formen der neurotischen Störungen - Störungen, die sich über Jahre langsam aufbauen und immer weitere Bereiche des Lebens umfassen. Dazu gehören Persönlichkeitsstörungen, wie mangelndes Selbstwertgefühl, Kontaktprobleme, selbstaufgebauter Leistungszwang. Aber auch latente Angst- und Zwangsneurosen und depressive Störungen können Thema einer Psychoanalyse sein.

Weniger geeignet ist eine psychoanalytische Behandlung bei akuten Suchtproblemen, weil die Grundvorraussetzung, daß die Behandlung Sinn macht ist, daß der Patient sich am Anfang der Behandlung in seinem Normalzustand befindet. Was aber wiederrum nicht heißt, daß es ihm gut geht - dann hätte er ja keinen Anlaß, überhaupt eine Therapie zu machen. Die Psychoanalyse erfordert eine gewisse "Kopfarbeit". Ihre Hauptwirkung erreicht diese Therapieform über Erkenntnisprozesse, über Einsicht, über gedankliche Rückkopplungen. Im günstigsten Fall, was auch und vor allem an der Person des Therapeuten liegt, schafft man mit Hilfe einer Psychoanalyse über den Kopf, verdeckte Gefühle zu erleben. Bei ungünstigen Voraussetzungen (oder bei einer ungünstigen Kombination von Therapeut und Patient) kann sie durchaus in jahrelange Grabungsarbeit in den Tiefen des Unbewußten ausufern. Als normal gilt eine Therapiedauer von 160 bis 240 Stunden, á 2-3 Stunden pro Woche, bei 2-3 Jahren, die in der Regel auch von den Kassen finanziert wird.