iese Therapierichtung wurde vom Psychiater und Psychoanalytiker Fritz Perls gegründet. Die Bezeichnung klingt nach gestalten. Wobei man spontan an gestalterische Tätigkeiten wie zum Beispiel Seidenmalerei denkt. Diese Therapierichtung beschäftigt sich zwar auch damit, aber es geht im Großen und Ganzen doch eher darum, Dingen eine konkrete Form zu verleihen, die eher formlos sind. Zum Beispiel: Gedanken und Gefühlen, Phantasien und Ängsten. Bei der Gestalttherapie handelt es sich um eine direktive Richtung. Das bedeutet, daß der Therapeut seinen Klienten dazu gezielt bringt, sich mit den Teilen seines Seelenlebens auseinanderzusetzen, um die er bislang einen großen Bogen gemacht hat. Sie konfrontiert ihre Klienten mit deren unerledigten Geschäften. Eine der zentralen Themen ist das berühmte Hier und Jetzt. In der Therapie sollen frühere Erfahrungen, die im Hintergrund der Wahrnehmung gespeichert sind, plastisch deutlich werden. Sie sollen durchlebt und somit aufgearbeitet werden. Der Sinn der Aufgabe des Therapeuten liegt darin, den Klienten auf den Augenblick festzunageln, ihn dazu bringen, ganz genau in sich hineinzufühlen und nicht auszuweichen. Was besonders erachtenswert erscheint für den Therapeuten ist, Wiedersprüche und Ungereimtheiten. Diesen Ungereimtheiten wird dann versucht, eine klare Kontur zu verschaffen. Dann kann man sich damit beschäftigen, es durchleben, und somit aufarbeiten. In der Gestalttherapie wird mit Bewegung und Atem, Rollenspielen und mit Phantasie, mit Schreien und Weinen gearbeitet. Ziel ist es in der Therapie zu erkennen daß die so lange vermiedenen und ausgeklammerten Emotionen einen nicht umbringen, sondern das man sich damit auseinandersetzen kann. Wenn dies erkannt ist, ist man nicht mehr gezwungen, weite Bereiche seiner Empfindungen und Wahrnehmungen auszuklammern.

Vor- und Nachteile:

Diese Form appelliert an alle Fasern des Seelenlebens. Sie aktiviert die Fähigkeit, sich selbst bewußt wahrzunehmen, kann darum einem Menschen, der sonst sehr zurückgezogen ist, neue Zugangswege zu sich und seinen Problemen eröffnen. Menschen die sonst nur mit dem Verstand handeln, kann sie verdeutlichen, daß er auch Emotionen hat. Aber Gestalttherapeuten setzen Mittel ein, die Menschen manchmal bewußt über ihre Grenzen bringen. Gestalttherapeuten nehmen keine distanzierte Haltung ein, die Gefühle die in der Arbeit mit dem Klienten beim Therapeuten ausgelöst werden, gehören mit zum therapeutischen Prozeß. Diese Vorgehensweise stellt an den Therapeuten hohe Ansprüche. Von daher ist Vorsicht geboten, da nicht alle die sich Gestalttherapeut nennen auch diese Fachkompetenz bieten. Es ist relativ einfach jemanden mit Hilfe von gestalterischen Methoden in Aufruhr zu versetzen. Doch nicht jede Erfahrung mit "alten Gefühlen" ist für jeden Patienten zu jedem Zeitpunkt gut und vor allem verkraftbar. Bei dieser Therapieform, die direktiv und eingreifend arbeitet wie die Gestalttherapie, sind seelische Blessuren bei unqualifizierten Einsatz nicht ausgeschlossen!